Leseprobe Seite 99 Herzmord


Inzwischen war es Spätnachmittag geworden, was nicht weiter schlimm war, nur handelte es sich um Freitag und Selzer wusste, dass jeder nach Hause wollte. Aber die Zeit drängte. Was wäre, wenn der Täter ein drittes Mal zuschlagen würde? Bislang gab es nur einen Anhaltspunkt, den es zu verfolgen galt. Im Leben von Isabell und Magdalena Nissen musste es einen dunklen Fleck geben. Alles in allem wirkte die Ehe der Nissens auf Selzer unspektakulär. Man sah sich abends, sonst folgte jeder seiner Karriere. Die Übereinkunft, wie das Zusammenleben zu verlaufen hatte, war längst getroffen und die Rollen strikt verteilt.

   »Oh, gibt es heute Überstunden?«, sagte Hübner und erntete von Hufnagel ein zustimmendes Nicken.

   Der vorwurfsvolle Ton missfiel Selzer. »Ja«, entgegnete er. »Wir werden versuchen, dass es nicht allzu lange dauert. Nur dürfte es zügiger gehen, wenn alle bleiben.«

   Hübner fühlte sich gemaßregelt. »Ich mein ja nur, Chef, hätte man uns vorher informiert, hätten wir uns darauf einstellen können.«

   »Hätte, hätte, Fahrradkette!« Mehr sagte Selzer nicht, was Nadine wiederum zum Anlass nahm, Hübner ins Gewissen zu reden und eine weitere Stunde seiner kostbaren Aufmerksamkeit zu erlangen. Nein, einfach war es mit ihm nicht. Nachdem auch das geklärt war, begab man sich zum Endspurt.

   Es war totenstill im Büro, alles konzentrierte sich und man sah gespannt auf die Bildschirme. Hufnagel und Hübner nahmen das Ehepaar Nissen unter die Lupe. Nadine kümmerte sich um deren Tochter. Im Anschluss begann man, die Informationen zu verarbeiten, und die Stille sollte auch in der letzten Stunde nicht brechen, bis Selzer es dann tat. »Und wie sieht es bei Ihnen aus? Irgendwelche Erkenntnisse?«

   Gemeinschaftlich einigte man sich, dass die Zeit nicht ausgereicht hatte, um genügend Details zu sammeln. Man beschloss, ins Wochenende zu gehen, zumal Freitagabend niemand mehr zu sprechen war, außer wohl dem Gatten der Verstorbenen.

   »Dann fahre ich jetzt heim!«, rief Hufnagel sich zu und beschleunigte sein Tempo beim Zusammenpacken. Er hoffte, wenigstens etwas von der kargen Sonne erhaschen zu können, die es gewagt hatte, durch die dichten Wolken zu linsen. Die Temperatur schien ihm ungeeignet für das Radfahren, doch die frische Winterluft würde guttun.

 

 

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