Leseprobe Seite 99 Mit mörderischem Kalkül


Wieso eine Leseprobe der Seite 99?

Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einer Buchhandlung, wählen irgendein Buch und schlagen es mittendrin auf. Um Sie herum laufen andere Kunden, es finden Gespräche statt und es gibt keine ruhige Leseecke. Reizt Sie die aufgeschlagene Doppelseite trotzdem? Möchten Sie weiter lesen? Mit Seite 99 sind die wichtigsten Figuren und Schauplätze eingeführt und wir befinden uns mitten in der Handlung, so die Idee des britischen Autors Ford Madox Ford.


Nadine betrat erst gegen zehn mit einem Becher Kaffee to go ihr Büro, derweil Hufnagel genervt mit jemandem telefonierte.

  »Nein, Mutter, ich kann dir nichts sagen, das sind laufende Ermittlungen!« Er blickte augenrollend hinüber zu Nadine und verzog wütend sein Gesicht. Lautlos formulierte er die Worte Sie nervt.

    Nadine nickte ihm verständnisvoll und mit einem breiten Grinsen zu.

    Wenig später legte er auf.

   »Heute ist nicht mein Tag!«, stöhnte er. »Erst die Kollegen aus Berlin. Bis ich da jemandem an der Strippe hatte! Und viel gesagt haben die nicht. Und jetzt auch noch meine Mutter. Aber ich habe das Protokoll zum Tod der Anne-Marie von Billstedt endlich vorliegen. Hier schauen Sie mal!« Hufnagel erhob sich und reichte Nadine über seinen Schreibtisch hinweg eine A4-Seite.

   »Aktennotiz?«, las Nadine überrascht. »Mehr gibt es nicht … als eine Aktennotiz? Die Sache liegt zwanzig Jahre zurück. Gott, wie haben die damals ermittelt? Allerdings steht hier, dass Anne-Marie von Billstedt während einer Autofahrt durch Australien durch eine Schlange, die sich in ihre Tasche verirrt hatte, getötet wurde.« Sie sah Hufnagel mit hochgezogenen Augenbrauen an, »Wie bitte!?«, sagte sie mehr zu sich selbst denn zu ihm. »Hören Sie sich das mal an, Chef: Sie wurde von einem Inlandtaipan gebissen.« Wieder blickte sie kurz in sein Gesicht: »Kommt Ihnen das nicht bekannt vor?«, um sich dann wieder der Akte zu widmen: Warten Sie, es geht noch weiter. Dieser Taipan ist trotz seiner hohen Giftigkeit nicht aggressiv oder beißwütig. Beim Zusammentreffen mit dem Menschen beißt das Tier nur dann zu, sofern es sich direkt bedroht fühlt. Die Annahme, sie sei aggressiv, beruht auf einem Missverständnis und hat der Schlange den Spitznamen Fierce Snake (wütende Schlange) eingebracht. Sie lebt in wenig bewohnten Gebieten Australiens und ist recht scheu, Bissunfälle sind daher relativ selten.«

   »Außergewöhnlich, finden Sie nicht? Wieder die gleiche Schlangenart und wieder ein Mitglied der Familie von Billstedt, nur dass dieser Unfall oder Mord zwanzig Jahre zurückliegt …«, bemerkte Hufnagel.

   »… und wir nicht mehr beweisen können, ob es tatsächlich Mord war«, beendete Frau Andres seinen Satz.

   »Wieso? Wir könnten sie doch exhumieren lassen«, entgegnete Hufnagel schroff, stemmte die Ellenbogen auf den Schreibtisch und schloss die Hände.

   »Chef!«, erwiderte sie. »Nein, der Leichnam wurde verbrannt. Aber was darüber hinaus seltsam ist, diese Schlangenart ist ziemlich groß und kann eine Länge von circa zwei Meter erreichen. Fazit: Sie ist schwer, und da frag ich mich, wie gerät so ein Teil in eine Handtasche … von selber … wohl eher nicht … wenn Sie mich fragen, hat da jemand nachgeholfen.«

   »Mann«, seufzte Hufnagel und legte sein Kinn auf die ineinanderverschränkten Hände, »die Sache wird immer verzwickter. Ich glaube, ich gebe den Fall wieder ab.«

   »Ach, Chef, mal langsam«, beruhigte Nadine ihn. »Am Anfang ist das immer so, erst weiß man nicht, wo man beginnen soll, und dann kommt eins zum anderen. Wir sind doch schon weitergekommen. Für mich sieht das stark nach einer Beziehungstat aus. Lassen Sie uns die Familie von Billstedt unter die Lupe nehmen! Ich vergrab mich mal hinter meinem PC und mach mich kundig.«

   »Tun Sie das«, sagte Hufnagel mit deutlich entspannteren Gesichtszügen. »Vielleicht war es aber auch nur ein unglücklicher Zufall und unser heutiger Täter oder Täterin hat dieses Ereignis einfach kopiert«, bemerkte er nachdenklich.

 

 

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